eine neue Welt

Grau: Ein Eddie-Russett-Roman - Jasper Fforde

Der Klappentext bei Amazon: "Es läuft gut für Eddie Russett: Seine Rotsicht ist exzellent, er wird mit etwas Glück auf der Farbskala nach oben heiraten, und sein Leben plätschert angenehm ereignislos dahin - bis zu dem Tag, an dem er sich unrettbar und wider jede Vernunft verliebt. Denn Jane ist nicht nur geheimnisvoll und wunderbar stupsnasig, sie ist auch komplett farbenblind und gehört damit der gesellschaftlichen Unterschicht an: eine Graue! Jane hebt Eddies geordnete Welt aus den Angeln: Plötzlich hat er einflussreiche Feinde, wird mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert, und zu allem Überfluss versucht seine Angebetete auch noch immer wieder, ihn umzubringen. Denn Jane hütet ein hochexplosives Geheimnis, und Eddie weiß bereits zu viel ..."

Jasper Fforde erschafft hier, wie einst bei Thursday Next, wieder eine ganz eigene Welt: Hier dreht sich alles um die Chromatologie. Die Menschen werden nach Ihrer Farbsicht bewertet, niemand kann alle Farben sehen und je mehr man von seiner eigenen Farbe sehen kann, desto besser angesehen ist man und desto höhere Posten kann man erreichen, aber wirklich arbeiten muß fast niemand, denn dafür hat man die Grauen, die, die gar keine Farbe erkennen können. Die Farben sind aber nicht alle gleichwertig, es gibt eine Rangordnung. Über allem stehen feste Regeln, die der große Munsell aufgestellt hat und die es zu befolgen gilt. Eddie hat einen großen Traum, er möchte Warteschlangen optimieren, aber diese neumodische Idee kommt bei der Obrigkeit nicht an, deshalb wird er in die Randzone, nach Ost-Karmin, geschickt, zum Demut üben und Stühle zählen. Sein Vater, ein Mustermann (das sind die Ärzte in diesem System), begleitet ihn dorthin, als Stellvertretung für den dortigen Arzt, den wohl der Mehltau dahin gerafft hat, die tödlichste Krankheit, die die Menschen befallen kann und leider unheilbar.

Dieses Buch hat mir so gut gefallen wie lange keines mehr. Ffordes Fantasie scheint keine Grenzen zu kennen. Die Gesellschaft, die er erschafft, ist stimmig und facettenreich beschrieben, die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz, oder aber man möchte sie spontan auf den Mond schießen. Einiges kommt einem bekannt vor, bei anderen Dingen fragt man sich, was soll das, aber alles in allem eine wunderbare Geschichte um Eddie, Jane und die Macht der Farben, bzw. der Frage: ist das der einzig richtige Weg? In seinem bisherigen Leben hat Eddie immer die Regeln befolgt und nie etwas in Frage gestellt, aber Ost-Karmin stellt seine bisherige Weltsicht komplett auf den Kopf und er muß sich entscheiden: die Regeln befolgen, oder mit Jane einen neuen Weg finden? Das alles ist realistisch und spannend beschrieben, man bekommt einen sehr guten Blick in die Lebensweise dieser kleinen Gemeinde am Rande des Reiches. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, aber das Ende bietet reichlich offene Fragen für eine Fortsetzung. Leider hat mir das Internet dazu noch nichts geliefert, aber wenn es Teil zwei gibt, bin ich sofort dabei!